DER KELLERMEISTER VOM HOTEL POST IN LERMOOS

REISE / WEINE / 12/04/2016

Hotel Post, Lermoos, 10.ter April. Auf den Almhütten rings um die Ski-Arena ist Ruhe eingekehrt. Wenn die Alpin-Enthusiasten, Tiefschneejunkies, Speed-Fetischisten und Langlauf-Genießer die Koffer gepackt haben und allmählich wieder in ihre Wohnzimmer zurückgekehrt sind, schleicht sich der ersehnte Frühling wie ein neugieriges Murmeltier in den beschaulichen Ort, eingebettet zwischen schroffen Felswänden der Zugspitze und des Grubigsteins. Es ist die Zeit des Durchatmens, des Aufatmens, des Innehaltens. Im saftig grünen Tal am Wetterstein bereiten sich beinahe unmerklich Flora und Fauna auf ihre Wiedergeburt vor.

Doch die friedliche Stille trügt. Im Hotel Post in Lermoos, dem exklusiven vier Sterne „Alpine Luxury Hotel“, tut sich etwas. Die Inhaberfamilie Dengg frönt zum Abschluss der aufregenden Saison einer wahrhaft lukullischen Tradition, die dem Genuss-Philosophen Epikur zur Ehre gereichen würde. Alljährlich läuft Markus Saletz, der Juniorchef, – ein hoch-kompetenter Sommelier –, noch einmal zur Hochform auf. Man könnte die letzte Veranstaltung des Jahres als „den“ Geheimtipp für Gourmet-Hedonisten, für anspruchsvolle Gaumenverwöhnte und auch für den eingefleischten Weinfan bezeichnen. Dieses Stelldichein der Genießer ist mehr als eine profane Verkostung, es ist ein Highlight unter den superben Reben-Events.

BLICK VON DER NAHEN ZUGSPITZE HINÜBER IN DAS SKIGEBIET DIREKT VOR DER TÜR DES HOTEL POST IN LERMOOS

Markus Saletz hat mit seiner gastronomischen Leidenschaft und seiner beruflichen Karriere als Sommelier im Hotel Post in Lermoos ein gesellschaftliches Ereignis evaluiert und zur festen Größe aufgebaut. Da stimmt alles: Der exquisite Rahmen, die perfekte Organisation, die einfallsreiche Küche und der gut gefüllte Keller. Mit letzterem ist das delikate und anspruchsvolle Spektrum eingelagerter Weine gemeint, die dem Gast nicht nur zum Galadinner oder beim deftigen Imbiss angeboten werden. Er kann auch mit klammheimlicher Vorfreude seinen Kofferraum damit beladen. Die Koffer werden nachgeschickt.

Kommen wir zurück zur Idee und zum Konzept. Markus Saletz hat mit Fingerspitzengefühl, Überzeugungskraft und feinem Gaumen Winzer und Weingüter an Bord geholt, deren Produktpalette Exklusivität und hohen Anspruch bescheinigen darf. Es sind zumeist wenig bekannte Produzenten mit kleinen Anbauflächen. Dazu gehören die Weinguter von Alex Gols, Joseph Möth, Mattias Trummer, Gerald Tschida und Julius Steiner. Nichts für Etiketten-Trinker oder Trendkäufer.

GENIEßER UNTER SICH – WEINFREUNDE UND GOURMETS BEI DER GROßEN VERKOSTEN IM HOTEL POST IN LERMOOS

Ich will ganz bewusst nicht vom „Ehrlichen Wein“ sprechen, den Peter Handke in seinem gleichnamigen Buch beschreibt, ähnlich wie das „ehrliche Butterbrot“, handgekeltert und handgeschmiert von ehrlichen Bauern. Nein, im Hotel Post in Lermoos geht’s sympathisch elitär zu, auch weil man den französischen Winzer vom Chatêau Coix de Mai gewinnen konnte, einem ehemaligen Mitarbeiter des legendären Gutes Chatêau Mouton de Rothshild. Coix de Mai grenzt direkt an Rothschilds Anbauflächen.

Unsere Empfehlung

Chateau Croix De Mai, Medoc
Die Weingärten des Chateau liegen zwischen Atlanic-Küste und Gironde Mündung. Der Boden ist gekennzeichnet von Kalkstein mit Kies-Schotter-Auflage.
Das von uns verkostete Jahr 2012, einer Cuveé aus 35 % Cabernet Sauvignon 60% Merlot und 5% Malbec und Petit Verdot, zeigte sich mit seiner schönen tiefen karminroten Farbe, nach anfänglichen toasty Noten in der Nase eröffnen sich schwarze Beeren und schwarze Johannesbeere und Kakao. Die substantiellen Tannine sind mit den feinen Fruchtaromen von Schwarzkirsche, Trockenpflaume, Schokolade, etwas Tabak fein und harmonisch balanciert.

Alexs, Burgenland
Das Weingut pflegt seine Lagen zwischen Parndorferplatte und Neusiedler See, deren Böden wechseln zwischen Schotter, Schwarzerde, Kalkschichten und Schlemm.
Chardonnay Reserve Heideboden 2013
Goldgelb in der Farbe, duftet er typisch nach reifen Früchten, zarten Noten von Oregano etwas Grapefriut und Fenchel. Der Eindruck setzt sich Gaumen fort. Hinzu kommen feine Anklänge von Annanas, schwarzem Sesam und Nüssen.
Blaufränkisch Reserve 2009
Leuchtet dunkles Granat mit violetten Reflexen, opaker Kern. In der Nase etwas Holz und ein Bouquet schwarzer Beeren. Im Mund dicht und komplex mit saftigem Tanin, reifen Pflaumen etwas Tabak, frischen Brombeeren.

Tschida, Burgenland
20 Hektar Rebfläche im Herzen des Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel, einem Mosaik aus Salzböden, fruchtbarer Schwarzerde sowie Sand-Böden.
Zweigelt Fuchsloch DOC 2014
Farbe: dunkles Purpur bis violette Reflexe, Duft: reife Kirschen und Pflaumen.
Am Gaumen intensive komplexe Frucht, Brombeere- und Pflaumennoten bis hin zu schwarzer Johannesbeere, in Harmonie mit feinem Tannin und schöner Länge.
Magnat
45 % Cabernet Sauvignon, 45% Merlot und 10 % Cabernet Franc ausgebaut in 80% neuem Holz und 20% gebrauchtem Fass. Farbe: tiefes Rubinrot; Duft: schwarze Johannesbeeren und reifen Pflaumen. Elegante Frucht setzt sich am Gaumen fort, begleitet von Kaffeearomen, dunkler Schokolade, Tannin kräftig

Möth, Vorarlberg
Die besten und größten Lagen befinden sich in der Bodenseeregion in der Lage „Neu Amerika“ vor den Toren von Bregenz. Mit 3,5 Hektar ist Möth der größte und auch einzige Vollerwerbswinzer im Vorarlberg.
Müller Thurgau „Seebrünzlar“
Klassiker des Bodensees. Zarte gelbe bis grüne Reflexe im Glas, duftet der Wein nach Blüten und knackiger Frucht. Am Gaumen frische Zitrusnoten, weiße Blüten, grüner Apfel, Säure harmonisch eingebunden.
Grüner Veltliner
Der zart gelb leuchtende, westlichste Grüne Veltliner Österreichs, überzeugt mit
seinem Duft von grüner Banane, Anklängen von Litschi knackiger Frucht und feiner Grapefruit. Im Mund spiegelt sich dieser Eindruck herrlich erfrischend wieder.

„Außer Konkurenz“

Chatêau Mouton Rothschild 1er Cru Classé ,Pauillac’ AOC 2006
Eine Premier Grand Cru Classé wie aus dem Bilderbuch. Fast schwarz im Glas mit der für Mouton typischen Kraft, atemberaubende in der Vielfalt und Komplexität der Aromen in der Nase und am Gaumen. Virtuos seine Eleganz, da er aber nicht zu erwerben war, nur noch so viel: Dieser Wein bleibt uns noch lange im Gedächtnis! Ein Merci an meine Freunde Cecil und Gilles Reich für diese Erfahrung….


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Claudio Michele Mancini
Claudio Michele Mancini wurde kurz nach Kriegsende 1945 als Sohn seiner deutschen Mutter und des italienischen Vaters geboren und wuchs in der Provinz Verbania am Lago Maggiore auf. Nach dem Abitur studierte er München Psychologie. Arbeitete danach als Dozent und internationaler Unternehmensberater in Frankreich, Italien, Deutschland und den USA. Heute lebt und arbeitet der Autor im Dreieck Bad Tölz, Wolfratshausen und Starnberg. Dort entsteht gerade sein neuer Roman mit dem Arbeitstitel "La Donna"





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1 Kommentar

am 13/04/2016

[…] Konkurenz“ und neu im Portfolio „Markus Saletz […]



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