GLÜCKSMOMENTE EINER FÜRSTIN

Highlight / GREEN LIFESTYLE / 08/12/2015
Für wen malen Maler, hauen Bildhauer Standbilder, halten Fotokünstler die Zeit an? Für die Kunst? Weil sie die Gegenwart durch ihr künstlerisches Temperament reflektieren, Brennglas sind für das Licht der Welt? Weil sie die Strahlen des Ewigen in ihrer zeitgebundenen Wahrnehmung spiegeln?
Die Kunst der Fürstin Marianne, von Freunden liebevoll Manni genannt, sind Momente des Glücks. Reflektiert in den Gesichtern, dem ewigen Spiel des Menschseins. Der Transparenz, die jede Persönlichkeit einzigartig macht. so entstanden seltene Momentaufnahmen von Gunter Sachs am Strand mit Weltstar Sean Connery und dessen Frau Micheline, Surrealist Salvador Dali, Primadonna Maria Callas schnorchelnd mit ihrem weißen Pudel vor der privaten Insel von Aristoteles Onassis Scorpios, Andy Warhol, Thomas Gottschalk mit seiner Frau Thea zu Gast bei der Fürstin in Fuschl im Salzburger Land uva.

EINE FOTOGRAFIE WIE EIN GEMÄLDE  – LUDWIG FÜRST ZU SAYN WITTENSTEIN SAYN – DIE LIEBE IHRES LEBENS

Stendhal, der französische Schriftsteller erklärte es so: „Nur ein großer Geist wagt es, einfach im Stil zu sein.“ Das sind die Werke von Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein. Modern! Aktuell! Einfach im Stil! Wie gemalt eine Momentaufnahme ihres geliebten Mannes Ludwig Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (†1962) in schwarz-weiß beim Skilaufen vor weißem Himmel in einem Moment der Besinnung. Die Künstlerin selbst, eine bildschöne Frau mit über 90, strahlt pure Inspiration und Lust aufs Leben aus. Wenn sie lächelt, dann lächeln alle; wenn sie nachdenklich schaut, tun wir es auch.

Die Ur-Ur-Ur-Ur-Enkelin von Kaiserin Maria Theresia bezaubert jeden wie eine verschwenderisch veranlagte Verliebte.  „Jeden Morgen erwache ich neugierig auf einen wundervollen neuen Tag. Verstehen Sie? “, wobei das Sie wie ein Du wirkt. Wir kennen uns über drei Jahrzehnte. Unverändert scheint diese lebenbejahende Aristokratin. Intellektuelles Gehabe und Drumherum-Reden sind ihr gänzlich fremd. Charme und Freude jeden Moment. Kein Gedanke daran fürs Publikum zu fotografieren. Verschenkt hat sie ihre wunder-vollen Moment-Aufnahmen. Bis ihre Freundin Lilli Palmer ihr den Tipp gab, sie für Print-Medien zu produzieren. Natürlich erfolgreich, stehen ihr doch als Mitglied des Hochadels alle Türen offen. Und ihre Foto-Kunst spricht für sich. Ihre Sommerfeste in ihrem Chalet in Fuschl legendär.
 Unzählbare Vernissagen und Fotobücher folgten: „Mannifeste: Fuschler Mittagessen 1974-2009“ Kulturverlag Polzer 39 Euro; „Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein – das legendäre Fotoalbum“, teNeues, 49,90 Euro; „Stars & Sportscars“, Delius Klasing, 39,90 Euro. Die spektakuläre Fotoausstellung „Stars & Sportscars“ auch in der renommierten Münchner Galerie Reygers, in der sich alles um Rennen wie die Mille Miglia und den Nürburgring dreht, läuft noch bis zum 23. Dezember 2015. Ihr Sohn Prinz Peter, – seine Mama nennt ihn liebevoll ihr „Gedächnis“ über Hunderttausende ihrer Traum-Shootings, – hat die Ausstellung natürlich mit kuratiert. Sehenswert! Werke können erworben werden. Weitere Ausstellungen für das kommende Jahr sind in Planung.
Fürstin Mannis private Leidenschaft gilt immer schnellen Autos – eine Faszination, die sie bis vor fünf Jahren nicht lassen konnte. Sich hinters Steuer setzen und sich mit den örtlichen Polizisten anlegen: „Nein, ich bitte Sie, so schnell kann ich doch gar nicht gefahren sein …“ ihr Standardsatz.

DIE FÜNF KINDER DER FÜRSTIN: VL. PETER ALEXANDER YVONNE ELISABETH UND THERESA ZU SAYN WITTGENSTEIN  1957 IN FUSCHL AM SEE

In ihrem Chalet mitten im Wald im Salzburger Land verbringt Fürstin Manni die Sommermonate mit ihrer Familie. „Einfach herrlich das einfache Landleben in Fuschl mit lieben Freunden aus aller Welt. Jeden Tag sitzen Gäste mit am Tisch.“ Ihrer endlosen Neugierde geschuldet. Tatkräftige Unterstützung beim Gemüse putzen oder Tische eindecken durchaus erwünscht. „Überhaupt kein Aufwand, einfach ein herrlicher Spass in der Vorbereitung einfacher Gerichte wie Wildgulasch, Leberwurst und Käse und langen fröhlichen Tischgesprächen. Besonders beliebt sind ihre Fleischpflanzerl und Zwetschenfleckerl. Zwischendurch legt sich mancher Gast unter einen der schattigen alten Bäume für eine Siesta. Über die vielen Jahre hat die Fürstin ca. 18.000 Gäste bewirtet. Darunter Prinzessin Caroline von Monaco, die Manni „Mamarazza“ taufte in Anspielung auf den Fotografen Paparazzo aus Fellinis Kult-Film „La dolce vita“ (1960), Margaret Thatcher, Prinz Charles und Herzogin Camilla, Curd Jürgens, Audrey Hepburn, Arnold Schwarzenegger, Klaus Maria Brandauer, Karl Lagerfeld, Dennis Hopper, Steve Martin, „Buzz“ Aldrin, Niki Lauda, Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher, Sean Connery, u.v.A.
Die üblichen Sommer-Gartenpartys sind zwar nach ihrem runden Geburtstag eingestellt, aber ohne Partys geht es nicht. „Das hält jung“, ist sie überzeugt. „Das Erstaunen ist wohl mein bester Teil, und meine Neugierde. Wenn ich Wehwehchen habe, ignoriere ich sie.“ Schon damals, als mit 42 Jahren und fünf kleinen Kindern 1962 ihren Mann durch einen tragischen Unfall verlor. „Ich betete in der Kapelle. Plötzlich stand Peter, mein Jüngster neben mir und fragte, was es zum Abendessen gäbe. Ja, so war das: das Leben hatte mich wieder. Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Und die Fotografie!“

IN TIEFER FREUNDSCHAFT VERBUNDEN –DIE FÜRSTIN UND GUNTER SACHS

LIEBEN GUTE KONVERSATION – DIE  FÜRSTIN IM GESPRÄCH MIT THOMAS GOTTSCHALK

„Mein unerschütterlicher Glaube. Die tägliche Kommunikation mit Gott in vielen Gebeten, vor allem meine Dankbarkeit für das Leben an sich, für meine Kinder, Kindeskinder, für die ich alle namentlich bitte und bete.“ Ein gutes Gedächnis ist dabei unerläßlich als 20-fache Großmutter, 23-fache Urgroßmutter und zweifache Ur- Urgroßmutter.
 „Sich bescheiden ist immer ein Teil des Glücks. Und andere glücklich machen!“, lacht sie. Und es war nicht immer einfach. Mit ihrem Mann Ludwig hat sie gemeinsam ihr Chalet in Fuschl Ziegelstein um Ziegelstein in den 1950er Jahren selbst gebaut. Der göttliche Segen begleitete die Fürstin  auch in ihrer Hochzeitsnacht. „Da ich, – wie viele Frauen meiner Generation, – nicht genau aufgeklärt war, wußte ich natürlich nicht, was mich erwartet. Mein Bräutigam wartete schon ungeduldig auf mich, als ich endlich völlig verunsichert aus dem Bad kam und mich vor unserem Brautbett auf die Knie stürzte, um zu beten. Das hat mein Mann noch Jahre später gerne zum Besten gegeben.“

Und wieder lacht die Fürstin in ihrer Erinnerung, als sie erzählt, dass nach weniger als neun Monaten die erste Tochter Yvonne das Licht der Welt erblickte. „Das sprichwörtliche schlechte Gewissen der Verwandtschaft gegenüber hat mich geplagt, die genau nachrechnen konnten.“ Ihr Lachen ist einfach ansteckend. Das ewige Mädchen, welche Menschen schöner macht, Seelen vertieft und die Augen in Träume flieht, wie ein Vergänglichkeitslachen zu lachen weiß, denn so schmerzlich vermisst sie ihren engsten Freund Gunter Sachs, der einst über sie schrieb: „Die jugendlichste, dynamischste und aparteste Lady ihrer und unserer Zeit. Sie drückt immer im richtigen Moment auf den Auslöser.“
Sein letztes Telefongespräch war mit ihr. „Jeden Abend haben wir miteinander telefoniert. Durch ihn habe ich mich so beschützt gefühlt. So gerne möchte ich ihn noch einmal sehen. – Auch Sean Connery! Herrlich, einfach herrlich waren unsere Reisen. Wir haben uns wahnsinnig gut verstanden.“

MARIANNE FÜRSTIN ZU SAYN WITTGENSTEIN IM GESPRÄCH MIT AUTORIN HOLDE HEUER (l.) UND DIE UR-UR-UR-ENKELIN VON FRANZ LISZT, DIE UNTERNEHMERIN EVA SCHNITZENBAUMER (r.)

Die elegante Fürstin ist täglich ausgebucht: Lunch mit Freundinnen, immer noch viele Reisen und Kulturprogramme mit Opern und Konzerten.  Ihre schönen schmalen Hände untermalen jede amüsante wie geistreiche Anekdote wunderbarer Begegnungen. Sie kann erzählen wie keine zweite. Von damals und von neuen Begegnungen. Gelobt sei der Beginn und das Staunen. Die analoge Foto-Kamera stets in Reichweite. Für Lebensfreude pur in Mannis „Schnapp-Schüssen“. Einer unmittelbaren schöpferischen Kraft, wenn die Fürstin erzählt, breitet sich heilige Stille aus. Eine Stimme so sanft und beruhigend, voller Melodien mit so vielen kleinen und großen Wundern, die jeden bewegen. Animation pur!






Holde Heuer
Holde Heuer lebt als Journalistin in München. Sie glaubt, dass den Menschen nichts so sehr interessiert wie der Mensch, und sie möchte, dass den Menschen nichts Menschliches fremd ist. Nach ihrem Betriebswirtschafts-Studium folgten Aufenthalte in Cambridge und Paris. Sie war zehn Jahre Public Relations und Marketing Manager bei Hilton International Deutschland. Daneben interviewte Holde Heuer als Kolumnistin für Print- und als Moderatorin in den Fernsehmedien mehrere hundert international bekannte Persönlichkeiten. 1981 erschien ihr Roman "Leib und Seele", 1885 "Augen-Blicke" (Universitasverlag) mit Prominentenportraits, 1994 "Angst ... und wie man mit ihr umgeht"(Nymphenburger Verlag) und 1998 die Helmut Berger Autobiografie "Ich" (Ullstein). Ein Adlon-Buch mit 40 Hotelgeschichten wurde 2001 fertiggestellt.





1 Kommentar

am 02/06/2016

guten Abend,
eine tolle, vorbildliche Frau, diese „Manni“.
Über ihre verstorbene Enkelin, Filippa, deren „Nachlass“ in Form eines herzaufwühlenden Büchleins, mich hier hin geführt hat.
Schön, einfach schön und bewundernswert. Die große alte lebensbejahende Dame und Filippa. Zwei,die nicht nur blutsverwand sind, sondern Seelenverwand. Die Interessen, die Fröhlichkeit, offenbar nur positiv denkend, weil gottgewollt.
Ich hab` Filippas Engel schon mehrfach an die „richtigen“ weitergegeben.
Danke für diese Menschen!! Sie vermögen vieles zu bewirken… jetzt und hoffentlich noch sehr lange.



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